Kletter - & Boulder-Technik

Ein Mann klettert an einer Felswand ohne Sicherung hinauf.
2 Füße in Nahaufnahme in Boulderschuhen an einer Boulderwand.

Tritttechnik – perfekter Auftritt beim Bouldern

Beim Bouldern kommt es nicht nur auf die nötige Armkraft, sondern vielmehr auch auf den optimalen Einsatz der Füße sowie der korrekten Tritttechnik an. Wer immer nur mit Armkraft bouldert, macht einen Fehler – der sich in Erschöpfung und möglicherweise als Überforderungsverletzung der Arme bemerkbar macht.

Viel wichtiger ist der Einsatz der Füße und der richtigen Tritttechnik. So macht ein guter Stand in der Wand schon die halbe Miete aus und hilft dir dabei, enorm viel Energie zu sparen. Verzichtest du auf die Unterstützung deiner Beinkraft, machst du garantiert nach den ersten Routen schon schlapp.

Frontales Antreten

Beim Platzieren des Kletterschuhs auf einem Tritt solltest du das Aufstellen über den Außen- oder Innenrist möglichst vermeiden. Auch wenn das je nach Beschaffenheit und Struktur des Tritts unvermeidbar ist. Denn eine optimale Kraftübertragung erreichst du am besten, wenn dein Fuß im rechten Winkel zur Boulderwand steht.

Gut zu wissen:
Um Kraft zu sparen und den Druck der Fußspitze auf den Tritt zu erhöhen, kannst du zusätzlich noch deine Ferse anheben.
Ein Paar Füsse in Boulderschuhen, die die korrekte Trittechnik vorführen.

Reibungstritt

Während du beim frontalen Antreten die Ferse anhebst, um einen sicheren Stand aufzubauen, senkst du beim Reibungstritt die Ferse eher nach unten ab. Dadurch vergrößerst du den Flächenanteil, mit dem die Sohle des Kletterschuhs am Tritt beziehungsweise am Felsvorsprung regelrecht klebt.

Idealerweise bringst du den Großteil deines Körpergewichts senkrecht auf den Tritt, um dadurch so viel Reibung wie möglich zu erzeugen. Immer mit viel Kraft treten um nicht abzurutschen! Üb diesen Tritt an ganz harmlosen Stellen. So verinnerlichst du, wie viel Vertrauen du in deine Boulderschuhe haben kannst.
Ein Fuß beim Bouldern aus der Nahaufnahme bei der Tritttechnik Reibungstritt.

Innen- & Aussenkantentritt

Kleinere Tritte, Leisten oder Felsvorsprünge bieten nicht immer ausreichend Platz, damit du die Fußspitze frontal ansetzen kannst. In diesem Fall trittst du mit dem Außen- oder Innenrist an.

Beim Eindrehen oder im Quergang ist diese Technik unvermeidbar, bietet dir aber deutlich weniger Halt und ist dementsprechend auch wesentlich kräfteraubender. Um auch bei dieser Fußtechnik den Druck zwischen Kletterwand und Füßen zu erhöhen, brauchst du einfach nur die Ferse leicht anzuheben und den Kletterschuh zu verkanten. Dadurch verlagerst du deinen Schwerpunkt und baust die nötige Körperspannung auf.
Ein Fuss in Nahaufnahme bei der Darstellung des Innenkantentritts beim Bouldern.

Toe- & Heelhook

„Hook“ bedeutet (man denke an Captain Hook): Haken. Und die Möglichkeit, zu haken sollte man auch beim Bouldern kräftig einsetzen, denn sie macht oft scheinbar unlösbare Routen easy! In Überhängen oder kniffligen Passagen hast du nicht immer die Möglichkeiten, einen Tritt zum Aufsetzen deiner Füße einzusetzen. Um dich dennoch zu stabilisieren, bleibt noch das Einhaken der Füße.

So verhinderst du, dass dein Körperschwerpunkt von der Wand wegklappt („Offene Tür„). Mit einem Fersen-hook kannst du dich außerdem auf einen Tritt „hieven“ und mit einem Zehen-hook kannst du dich an Tritten oder Vorsprüngen sozusagen festhaken. Etwa bei Balancebouldern, wenn du dich an der Wand entlang streckst und dein Körpergewicht nahe dran halten willst.

Beim sogenannten Hooken setzt du also entweder den Vorderfuß oder die Ferse ein, um deinen Fuß mit einem Bouldergriff sprichwörtlich zu verhaken. Ein Heelhook erfordert dabei deutlich weniger Kraft als ein Toehook. Grund hierfür ist die natürliche Hebelfunktion und die unterschiedlich ausgeprägte Muskulatur von Waden- und Schienbein.

 

Tritttechnik Heelhook wird dargestellt.
Gerade beim Hooken kommt es daher auf eine optimale Passform der Kletterschuhe an, da sie dir sonst vom Fuß rutschen. Auch das Material der Sohle sollte entsprechend robust sein und weit genug über die Ferse beziehungsweise die Schuhspitze gezogen sein, damit sich die einwirkenden Kräfte besser verteilen und sich das Material durch die erhöhte Belastung nicht nach wenigen Trainingseinheiten vom Oberschuh löst.

Aber auch die nötige Beweglichkeit solltest du mitbringen, da Hooks nicht selten auf Brust- oder Hüfthöhe gesetzt werden müssen. Richtiges Aufwärmen und Dehnen ist für diese Tritttechnik ein absolutes Muss, denn sonst könnte ein allzu ambitionierter Spagat am Ende recht schmerzhaft ausgehen. Trainiere Hooks an einfachen Stellen und denk immer dran: Der Hook ist dein Freund!
Die Boulder Technik Toehook wird dargestellt.
Eine Frau Bouldert im Freien während ein Mann spottet

Greiftechnik - Alles im Griff beim Bouldern

Der Obergriff & der positive Griff

Als positiver Griff werden beim Bouldern all jene Klettergriffe bezeichnet, an denen du dich mehr oder weniger mit den Händen festhalten oder deine Finger aufstellen kannst. Die einzelnen Griffe werden je nach Schwierigkeitsgrad und Form noch weiter differenziert.

Am einfachsten ist wohl der Henkel, den du mit der kompletten Hand beziehungsweise mit den drei Gliedern deiner Finger greifst und an dem du theoretisch auch einen Klimmzug machen kannst. In schweren Routen bieten Henkel zudem eine willkommene Möglichkeit zum Ausruhen und Arme ausschütteln.

Schwieriger wird es hingegen bei kleineren Griffen oder Leisten, denn dann finden meist nur die ersten Fingerglieder genügend Platz. Die Königsdisziplin sind jedoch Klammergriffe, die du mit deinern Fingern und dem Daumen in die Zange nimmst.
Ein Mann demonstriert an einem Boulderspot die Greiftechnik Obergriff.

Unter- und Seitengriff

Im Gegensatz zu einem Obergriff, bei dem du beispielsweise wie beim Henkel oberhalb deines Oberkörpers zupackst, musst du beim Untergriff tief greifen oder kannst dich auf ihm hochdrücken. Die Bezeichnung ergibt sich somit aus der Belastungsrichtung.

Folgerichtig greifst du einen Seitengriff weder von unten noch von oben, sondern belastest ihn durch einen seitlichen Zug. Durch gekonntes Verlagern oder Eindrehen des Körpers verschaffst du dir zum Beispiel an einer Kante genau so viel Halt wie bei anderen Greiftechniken.
Darstellung der Grifftechnik Untergriff.

Sloper

Ein Sloper ist quasi das Gegenstück zu einem Reibungstritt, denn Strukturen suchst du hier vergeblich. Der Aufleger ist zumeist ein großer, runder Bouldergriff, den du vollflächig mit der Hand umschließen musst. Soll heißen: Deine Hände finden lediglich mithilfe der komplett aufgelegten Innenfläche und jeder Menge Druck den nötigen Halt, den du vor allem über eine entsprechende Verlagerung deines Körperschwerpunkts herstellst.

Daher kommt es beim Sloper ganz besonders auf Geschwindigkeit an, ansonsten verlierst du schnell wieder den Halt und rutschst ab. Mit Fingerspitzengefühl kommst du da definitiv nicht weiter, soviel ist sicher.
Eine Frau beim bouldern. Sie demonstriert in der Nahaufnahme die Greiftechnik Sloper.

Fingergriff

Bei einem Fingergriff kommen in der Regel nur die ersten beiden Fingerglieder zum Einsatz – wenn überhaupt. Beim Aufstellen der Finger wird die Verbindung zwischen ersten und zweitem Gelenk sehr stark belastet, um die nötige Reibung aufzubauen. Noch extremer wird es, wenn du die Fingerspitzen aufstellst. Diese anspruchsvolle Technik wirst du aber eher selten und nur in extrem schwierigen Boulderrouten anwenden müssen.

Viel öfter wirst du mit hängenden oder gestreckten Fingern an den Bouldergriffen kleben, um Gelenke, Bänder und Sehnen sowie deine Kräfte zu schonen. Allerdings fällt dabei die Reibung geringer aus und die Gefahr abzurutschen ist größer, als wenn du die einzelnen Finger aufstellen würdest.
Eine Hand in Nahaufnahme. Dargestellt wird der Fingergriff beim Bouldern.

Lochgriff

Neben dem Henkel gelten auch Fingerlöcher als willkommene Möglichkeit, um in der Wand eine kurze Pause einzulegen. Vorausgesetzt, sie sind nicht scharfkantig und du bekommst mehr als nur einen Finger hinein. Je nach Größe des Lochs platzierst du idealerweise Zeige- und Mittelfinger darin, die beide über die meiste Zugkraft verfügen.

Sofern möglich, platzierst du für noch mehr Stabilität deinen Daumen außerhalb des Fingerlochs an der Wand, um die anderen Finger zu entlasten und dich richtig reinhängen zu können.
Im Fokus des Bildes ist die Hand eines Boulderers der die Greiftechnik Lochgriff beim klettern verwendet.
Eine Frau bouldert in einer Kletterhalle und achtet verstärkt auf ihre Beinhaltung.

Aus den Beinen klettern

„Arme dicht“ muss nicht sein

Wenn du glaubst, dass muskulöse Oberarme die beste Voraussetzung für große Erfolge beim Bouldern sind, dann warst du noch nie richtig klettern. Nimm die Stars der Kletterszene ruhig mal genauer unter die Lupe. Korrekt, die meisten sind eher drahtig gebaut. Soll heißen, Kraft allein bringt dich noch längst nicht bis ganz nach oben. Das Geheimrezept lautet also ganz klar Beinarbeit. Gerade als Einsteiger wirst du nach den ersten Routen merken, wie deine Arme sprichwörtlich „dicht“ machen. Dann hast du dich vermutlich voll reingehängt und die Muskeln sind nicht ganz ohne Grund stinksauer.

Nahaufnahme von Beinen eines Kletterers der aus den beinen klettert

Starke Beinmuskeln nutzen

Die Beinmuskulatur ist viel ausgeprägter und ausdauernder als die Kraftpakete deiner Arme. Dementsprechend ist ein sicherer Stand beim Bouldern weitaus mehr wert und verbrennt deutlich weniger Energie als wenn du die ganze Zeit am langen Arm in der Kletterwand herumbaumelst.

Versuch also lieber so viel Kraft wie möglich aus den Beinen heraus anzuwenden, um dich nach oben zu stemmen. Die Hände solltest du in erster Linie nur dazu nutzen, um das Gleichgewicht zu halten und deine Körperhaltung an der Kletterwand zu stabilisieren. Wenn du dann auch noch die Dreipunkt-Regel beachtest und dich richtig eindrehst, klappt’s auch ganz ohne Luftballonarme.

Eine Frau zeigt, wie man falsch bouldert, aufgrund von Dauerspannung in den Armen.
Ein mann bouldert vor einem Bergpanorama im Freien

Am langen Arm Bouldern

Fester Tritt und (fast) gestreckte Arme

Wenn du einen sicheren Stand gefunden hast, drück dich also zunächst aus den Beinen nach oben. Findet eine Hand an einem über dir platzierten Klettergriff den nötigen Halt, brauchst du im Grunde genommen nur noch deinen Handfertigkeiten und Fingerkräften vertrauen.

Richtig: Bouldern mit langen Armen

Und anstatt dich mit aller Macht und gebeugtem Arm nach oben zu ziehen, solltest du ihn lieber in ausgestrecktem Zustand belassen und dann in Ruhe einen sicheren Stand für deine Füße suchen. Boulder auf diese Weise ein paar Routen und beherzige dabei diesen Tipp. Wetten, dass dir das Klettern um einiges leichter von der Hand gehen wird!?
Ein Mann bouldert mit gestreckten Armen.

Armkräfte optimal nutzen

Außerdem musst du nicht so schnell aufhören: Die (Unter-)Arme bleiben länger „offen“, du sparst unheimlich viel Energie und deine Muskeln übersäuern nicht so schnell. Erspar deinen Armen also das Kontraktions-Dauerfeuer und trainiere stattdessen das schnelle Erkennen der richtigen Route (spart anstrengendes „Rumhängen“ in der Wand) und deine Greif- sowie Tritttechnik.
Ein Mann zeigt wie bouldern falsch praktiziert wird.
Ein Mädchen klettert Toprope in der Halle

Die Dreipunkt-Regel beim Klettern & Bouldern

Mit Drei Gliedmassen fest an der Wand

Die Regel auszuführen bedeutet zwar, weniger dynamisch unterwegs zu sein. Besonders Anfängern bietet sie aber verschiedene Vorteile. Drei feste Punkte am Fels stabilisieren nämlich, verteilen das Gewicht optimal auf verschiedene Tritte und Griffe und erhöhen so deine Sicherheit auch beim Abrutschen von einem einzelnen Punkt.

Willst du mit der rechten Hand den nächsten Bouldergriff erreichen, stabilisierst du dich über den linken Arm und beide Füße. Auf diese Weise minimierst du die Gefahr, dass du ungewollt abrutschst oder bei jedem Zug zu viel Kraft aufwenden musst.

Die alte Grundregel für Kletterer wurde streng genommen durch Boulder-Mitbegründer John Gill als zu statisch verworfen: Fortgeschrittene Boulderer, die schwierige Probleme angehen, schränkt die sture Anwendung der Regel durch einen eher statischen Kletterstil ein – sie versuchen meist, in einer fließenden Bewegung im Flow zu Bouldern.

Ein Mann klettert in einer Boulderhalle und demonstriert, wie die Dreipunkt Regel auszuführen ist.

Offene Tür

Wendest du die Dreipunkt-Regel richtig an, verhinderst du auch die sogenannte „offene Tür“. Damit wird das seitliche Wegdrehen von der Wand bezeichnet, das durch einen falschen Schwerpunkt deines Körpers entsteht.

Platzierst du beispielsweise deine linke Hand an einem recht weit außen liegenden Klettergriff und der Tritt befindet sich weiter innen, klappst du beim Lösen der rechten Hand wie eine Tür nach außen. Grund hierfür ist der nach links verlagerte Hauptschwerpunkt deines Oberkörpers, der sich in diesem Fall nicht senkrecht über deinen Füßen befindet.

Wegklappen ist anstrengend und tut möglicherweise sogar weh. Dem entgegenwirken kannst du entweder durch geschicktes Eindrehen oder durch Hinterkreuzen der Beine. Soll heißen: Du führst den rechten Fuß hinter oder vor dem linken Bein vorbei und drückst deine Fußspitze gegen die Kletterwand, um ein unkontrolliertes Herausklappen zu verhindern.
Ein Mann demonstriert den Fehler "Offene Tür" beim Bouldern.
Eine Frau demonstriert an einer Boulderwand wie man den Körperschwerpunkt beim Bouldern richtig setzt.

Den Körperschwerpunkt eindrehen

Richtig eindrehen und Po zur Wand

Beim Bouldern ist es wichtig, dass du deinen Körperschwerpunkt so nahe wie möglich an die Kletterwand bringst und gekonnt verlagerst. Drehe dich also leicht seitlich ein, sodass sich die Schulter näher an der Wand befindet.

Dann belastest du die der Boulderwand abgewandte Hand beziehungsweise den Fuß. Der andere Fuß drückt dann dagegen, um eine offene Tür zu verhindern. Dadurch entlastest du deine Arme und der Großteil deines Körpergewichts wird auf die Beine verteilt.

Aber auch die Reichweite deiner Hände erhöht sich durch geschicktes Eindrehen beziehungsweise Platzieren von Rumpf, Hüfte, Beinen und Füßen. Klingt schwierig, kannst du dir durch regelmäßiges Klettertraining aber schnell aneignen. Besonders wichtig wird Eindrehen, wenn du die ganz leichten Routen hinter dir lässt und erste Überhänge kletterst.

Als Einsteiger wirst du dich am Anfang in erster Linie mit deinen Händen und Füßen frontal nach oben arbeiten und deine Hüfte mit gewissem Abstand parallel zur Wand positionieren. Diese natürliche Kletterhaltung ist auf Dauer jedoch sehr kräfteraubend, denn dadurch hat die Schwerkraft ziemlich leichtes Spiel.

Indem du deinen Körperschwerpunkt gekonnt verlagerst, kannst du besser aus den Beinen steigen, sparst eine Menge Energie und erreichst so manchen Bouldergriff deutlich leichter. Die klare Devise lautet also: Hintern an die Wand.
Eine Frau zeigt an einer Boulderwand wie die Stellung von Po zu Wand sein sollte.
Eine Frau demonstriert in einer Kletterhalt die Technik Überhang klettern.

Tipps fürs Überhang Klettern

Das Klettern im Überhang

Sobald man kein blutiger Boulderanfänger mehr ist, zieht es die meisten zu Überhängen. Das ist richtig anspruchsvoll. Denn hier zieht dich dein Körpergewicht und dabei besonders dein Körperschwerpunkt um Po, Becken und Hüfte stärker nach unten. Mit unseren Tipps und etwas Übung klappts trotzdem!

Dachklettern am Überhang

Bei der Dachkletterei im Überhang (englisch: ceiling und overhang) handelt es sich um eine Boulderroute, die stark in Richtung der Waagerechten geneigt ist. Das bringt dich in eine hängende Position – als ob du unter einem Dach kletterst. Dementsprechend wichtig sind die richtige Greiftechnik und eine ausgeprägte Körperspannung.

Die Füße dürfen dir dabei nicht abrutschen (man sagt auch „die Füße dürfen dir nicht kommen“). Also setzt du sie zur Stabilisierung der Körperhaltung ein: Deine Körperspannung muss sich also bis in die Fußspitzen erstrecken, hier darfst du ordentlich Druck aufbauen! Ansonsten solltest du den Körperschwerpunkt möglichst nahe am Hang halten, sonst wird’s irre anstrengend!

Wie funktioniert Überhang- Klettern?

Die Technik fürs Überhangklettern erfordert viel Körperspannung und seitliches Eindrehen, um die Arme zu entlasten und der Schwerkraft entgegenzuwirken. Denk außerdem an die simplen Boulder-Regel „rechts greifen – rechts steigen, links greifen – links steigen“. Und am Allerwichtigsten: Nicht frustrieren lassen, weiter klettern. Hier ist die Anleitung mit Techniktipps fürs Überhang-Bouldern:

7 Goldene Überhang-Regeln:

  1. Die Hüftregion bildet deinen Schwerpunkt. Drück deine Hüfte also hoch zur Wand! Ihn „durchhängen“ zu lassen ist superanstrengend.

  2. Eindrehen: Dreh dich beim Überhang klettern dafür abwechselnd rechts und links ein. Wenn du also links steigst, drehe das linke Knie nach rechts innen: So bewegen sich deine linke Körperseite und deine Hüfte automatisch zur Wand.

  3. Steigen im Überhang: Fußtechnik und Fußspitzenfertigkeit sind gefragt. Denk auch ans Hooken! Im Überhang hilft über Kreuz treten (rechter Fuß tritt über linken etc.). Beim Weitersteigen ziehst du mit Fuß- und Beinkraft den Schwerpunkt unter den Griff.

  4. Greifen im Überhang: Du hast idealerweise eine lange Greifhand und eine Stützhand (Blockierkraft!), die so lange wie möglich stützt. Versuche, die Arme lang zu lassen.

  5. Halte deine Körperspannung von den Zehen über die Körpermitte bis in die Arme.

  6. Mach Übungen für die Körperspannung. Damit trainierst du deine Coremuskeln. Ohne Körperspannung pendelst du beim Bouldern im Überhang raus und belastest die Arme unnötig.

  7. Bouldere zügig, sonst verbrauchst du zu viel Kraft.
Ein Boulderer klettert waagerecht in Traversen in einer Boulderhalle an der Wand entlang.

Traversen – waagrecht klettern

Nicht immer muss man beim Bouldern die Wände hochgehen: „Quergänge“ und seitlich bzw. im Kreis gerichtetes Klettern ist irre anstrengend. Dennoch hilft es dir, um schwierige Züge zu üben und später dann bei kniffligen Boulderproblemen anzuwenden.

Wenn du Ausdauer, Kondition und das korrekte Eindrehen des Körpers trainieren oder dich sanft aufwärmen möchtest, begibst du dich in der Boulderhalle am besten in einen Quergang. Dabei handelt es sich um eine Route, deren Bouldergriffe an einer Wand waagerecht verschraubt sind oder quer entlang einer Felswand führen. Teilweise schlängelt sich die Traverse sogar im Kreis. Damit du dich besser orientieren kannst, wo es lang geht, sind die einzelnen Bouldergriffe in der Kletterhalle gewöhnlich durchnummeriert. Draußen am Felsmusst du dir auf dem Weg zum Ziel hingegen deine eigene Route suchen.

Querklettern will gelernt sein: Wer sich vor allem waagerecht und im Kreis bewegt statt senkrecht nach oben, kann prima die eigene Muskulatur und Ausdauer trainieren. Aber auch an der allgemeinen Technik kann gefeeilt werden.

Das Bouldern aus den Beinen, Eindrehen und das Erreichen des nächsten Griffs durch die richtige Positionierung der Schultern studiert man hier ohne größere Risiken ein. Denn tief fallen kann man bei Traversen meistens nicht – zumindest in der Boulderhalle.

In unserer Bilderstrecke haben wir dir den perfekten Ablauf einer gekletterten Traverse zusammengestellt:
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 1
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 2
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 3
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 4
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 5
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 6
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 7
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 8
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 9
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 10
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 11
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 12
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 13
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 14
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 15
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 16
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 17
Traversenklettern - Bewegungsablauf als Fotostrecke Bild 18
Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Boulderwand in einer Kletterhalle und besprechen ihre Klettertaktik.

Bouldern: Auf die richtige Taktik kommt es an

Vorbereitung beim Bouldern ist das A&O

Aktivismus ist durchaus löblich. Aber bei manchen Boulderproblemen macht es schon Sinn, wenn du vor dem Einstieg einen Blick auf die Route und ihren Verlauf wirfst.

Nicht immer helfen Ausdauer und Klettertechnik weiter, wenn du mittendrin stecken bleibst und keine adäquate Lösung parat hast. Langes Herumtüfteln und wildes Diskutieren mit den Freunden am Boden, während du in der Wand hängst, kostet dich neben unendlich viel Kraft auch jede Menge Nerven und endet dann oft mit einem Absprung.
Ein Mann mit Crashpad in der Hand schaut eine Boulder Route an bevor er sie klettert

Tritte, Griffe und Züge Visualisieren

Es lohnt sich also, die einzelnen Tritte und Bouldergriffe genauer zu begutachten und den Durchstieg taktisch schlau anzugehen. Stell dich ruhig auch einfach mal hin und klettere ein Boulderproblem „trocken“ vor dem geistigen Auge komplett durch.

Du wirst sehen, wie sehr dir dieses „Vorsteigen“ später helfen wird. Nicht ohne Grund gilt das „Lesen“ einer Route beim Bouldern genauso wie beim alpinen „Rotpunktklettern“ mit Seil als größte Kunst überhaupt. Noch ein Geheimtipp: Lass doch einfach erfahrenen Bouldercracks den Vortritt und schau dir ein paar Tricks ab.

Zwar wirst du ein Boulderproblem nicht unbedingt auf dieselbe Art und Weise lösen, aber vielleicht dient dir so mancher Ansatz als Anregung für deinen eigenen Weg zum finalen Bouldergriff.
Eine Frau bouldert und der Mann gibt ihr Hilfestellung und korrigiert ihre Grifftechnik.

Flüssig bouldern – die richtige Technik als Fotostrecke

Bouldern ist eine dynamische Version des Kletterns, in der anspruchsvolle Probleme kurz hintereinander geschraubt sind. Da verausgabt man sich schnell, und die Erschöpfung nach dem „Flow“ ist ja gerade das Schöne am Bouldern.

Um seine Kräfte aber nicht sinnlos in der Wand hängend zu verpulvern, sollte man die Route zuerst vom Boden aus betrachten und sich merken, welche Tritte man nutzen will und kann. Von oben betrachtet, erkennt man nämlich in der Halle die Farbe der einzelnen Bouldergriffe oft nur noch schwer, da sie vom Schuhabrieb fast schwarz geworden sind. 


Tritte, die hinter einer Ecke oder unter einem größeren Boulder liegen, sind zudem von der Wand aus nicht mehr im Blickfeld. Auch sollte man einplanen, wo man überkreuzt und welche Hand und welcher Fuß wo gesetzt wird, damit man sich nicht in sich selbst verdreht.
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 1
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 2
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 3
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 4
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 5
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 6
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 7
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 8
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 9
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 10
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 11
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 12
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 13
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 14
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 15
Eine Frau bouldert horizontal eine Kletterwand entlang Fotostrecke Bild 16