Sophia Flörsch läuft in Berlin ihren ersten Marathon: So war das Rennen!

Der erste Halbmarathon beim SportScheck RUN in München und knapp ein halbes Jahr später der erste Marathon in Berlin: Formel-3-Fahrerin Sophia Flörsch kann richtig stolz auf sich sein.
Sophia Flörsch mit Startnummer vorm Berlin Marathon

46.983 Läuferinnen und Läufer – so viele wie noch nie zuvor – stehen am 29. September 2019 an der Startlinie des 46. Berlin Marathon. Viele von ihnen wollen heute ihren allerersten Marathon absolvieren, eine von ihnen ist Sophia Flörsch. Die Formel-3-Fahrerin geht um 10:10 Uhr, knapp eine Stunde nach der Spitzengruppe in den Startblock. In dem Moment, als Kenenisa Bekele, der später mit einer Zielzeit von 2:01:41 Stunden den Weltrekord um 2 Sekunden verpassen wird, schon fast den Halbmarathon voll hat, geht Sophia auf die Strecke. Sophia hat sich gut vorbereitet – wie lest ihr hier – trotzdem ist der Respekt vor dem ersten Marathon der 18-Jährigen groß.

Starke erste Hälfte trotz Regen

Beim SportScheck RUN in München, Sophias erstem Halbmarathon Ende Juni 2019, waren die Bedingungen etwas anders. Damals strahlte die Sonne vom Himmel, die Läufer kämpften mit Temperaturen um die 33 Grad Celsius. Heute regnet es, und zwar nicht zu knapp. Später wird Sophia sagen: „Zwei so extreme Bedingungen beim Halbmarathon und Marathon, das war schon fordernd. Ich hätte mir einfach mal angenehme Temperaturen und keinen Regen gewünscht.“ 

Sophia Flörsch beim Berlin Marathon vorm Brandenburger Tor

Trotzdem verlaufen die ersten Kilometer super für die Rennfahrerin. „Bis zur Halbmarathonmarke habe ich mich richtig gut gefühlt und war richtig stolz, weil ich bis dahin durchgelaufen bin, ohne einmal zu gehen. Zuhause laufe ich immer alleine oder meine Schwester begleitet mich auf dem Fahrrad. Jetzt mit so vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern auf der Strecke zu sein, hat viel Spaß gemacht.“ Auch die vielen tausend Zuschauer und Musikgruppen, die trotz des strömenden Regens an der Strecke des Berlin Marathon stehen, begeistern Sophia: „Ich war ja nun wirklich nicht vorne mit dabei und trotzdem standen da noch so viele Menschen und haben angefeuert, das motiviert einen als Läufer schon sehr.“

Tiefpunkt zwischen Kilometer 25 und 33

Die zweite Hälfte des Rennens war für die Münchnerin dann sowohl mental als auch körperlich herausfordernd: „Zwischen Kilometer 25 und 33 war mein Tiefpunkt. Zu diesem Zeitpunkt hat es auch wieder so richtig stark geregnet. Vor allem aber meine Hüftschiefstellung hat mir ab da ziemlich zu schaffen gemacht. Ich musste humpeln und das ging auf die Knie. Auch die Narbe, die ich von der OP nach dem Unfall noch habe, hat geschmerzt.“ Erst im November 2018 war Flörsch beim Weltfinale der Formel 3 in Macao von der Strecke abgekommen, in den Schutzzaun der Fotografentribüne geprallt und musste anschließend elf Stunden operiert werden. Nicht mal ein Jahr später kämpft sich Sophia mit tausenden anderen Läufern zu Fuß, Schritt für Schritt über 42,195 Kilometer – ein bewundernswertes Comeback.

Sophia Flörsch läuft beim Berlin Marathon

Im Ziel: Glücklich aber erschöpft

„Mir ging es muskulär und auch von der Atmung her eigentlich über die komplette Strecke hinweg sehr gut. Darüber war ich selbst überrascht,“ so die 18-Jährige. Nach 5 Stunden, 6 Minuten und 31 Sekunden erreicht Sophia Flörsch die berühmte Ziellinie am Brandenburger Tor und ist völlig erschöpft, aber wahnsinnig erleichtert: „Ich wollte es unbedingt durchziehen und bin super froh, dass ich es geschafft habe.“ Kurz nach dem Lauf befragt, resümiert sie: „Du denkst 42 Kilometer, das ist doch nur viermal so viel wie du normalerweise läufst. Das wird schon nicht so schlimm werden. Aber dann ist irgendwann mental wahnsinnig anstrengend, der Körper lässt ein bisschen nach und alles wird schwerer und schwerer.“ 

Du denkst dir, warum mache ich das hier eigentlich. Und dann geht es plötzlich wieder bergauf. 

Schon wieder mit einem Lächeln auf dem Gesicht beschreibt sie ihr Rennen als eine stetige Berg- und Talfahrt: „Unter dem Strich kann ich sagen, es hat Spaß gemacht. Es war hart, aber ich bereue es überhaupt nicht. Ich habe es durchgezogen und das ein tolles Gefühl.“

Sophia Flörsch mit Marathon Medaille

2020 werden wir die 18-Jährige aber wohl eher nicht an der Startlinie sehen: „Ich habe ja noch ein paar Jahre Zeit. Vielleicht mache ich irgendwann mal wieder einen Marathon.“ Jetzt ist sie erst mal stolz auf die Leistungen der letzten Monate: „Es ist auf alle Fälle super mit 18 sagen zu können, dass du schon einen Halbmarathon und einen Marathon innerhalb von vier Monaten gefinished hast. Wer weiß, vielleicht stelle ich mich ja in zwei Jahren wieder der Herausforderung.“

Während wir zum Hotel humpeln, denkt Sophia schon wieder an die nächsten Tage. Morgen geht es erst mal nach Dresden, wo sie auf einer Veranstaltung verschiedene Autos testet. Am Mittwoch sitzt sie schon wieder im Rennauto. Ob ihr der Marathon auch etwas für ihre Karriere als Rennfahrerin gebracht hat: „Definitiv! Bei Regen und Wind einfach weiter zu laufen. Nicht stehen zu bleiben und immer weiter zu laufen, das macht den Kopf schon noch mal ein bisschen stärker.“ Wir wünschen Sophia alles Gute für die kommenden Rennen – ob im Auto oder auf der Laufstrecke.

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